Perfekte Flieger und Scheibenkollisionen - von Libellen und Stubenfliegen

Sie schwebt über dem Wasser und scheint auf etwas zu warten. Dann schnellt sie hoch, vollführt mehrere schnelle Drehbewegungen in der Luft und, kaum sichtbar, hat sie ein anderes Insekt gefangen.

Diesen Jagderfolg verdankt die Libelle (oben Gefleckte Heidelibelle - Sympetrum flaveolum) vor allem den überaus präzisen Flugmanövern. Odonata gehören zur Gruppe der Pterigota, also zur Gruppe der geflügelten Insekten. In diese Gruppe gehört auch die gemeine Stubenfliege (Musca domestica), doch wer kennt nicht das knallende Geräusch, wenn immer Sommer wieder die eine oder andere gegen unsere Fensterscheiben fliegen. Den Stubenfliegen ist es nicht vergönnt, auf der Stelle schweben zu können, wie den Libellen. Sie können nicht einfach das Fenster absuchen und nach einer Öffnung Ausschau halten. Doch was unterscheidet die beiden so sehr?

Man ist schnell dabei zu sagen: Libellen haben vier und Stubenfliegen nur zwei Flügel.
Das stimmt so nur zum Teil. Tatsächlich haben Stubenfliegen ebenfalls vier Flügelanlagen, nur dass links und rechts jeweils ein Flügel zurück gebildet ist und ein so genanntes Schwingkölbchen bilden. Diese dienen der Flugstabilisierung. Weil also nur zwei Flügel zum Einsatz kommen, werden Stubenfliegen auch in die Gruppe der Zweiflügler (Diptera) eingeordnet.

Aber das ist nicht ganz der Grund, für das unterschiedliche Flugverhalten. Es liegt am inneren Aufbau der beiden Flieger.
Die Stubenfliege besitz lediglich über eine indirekte Flugmuskulatur. Das heißt, dass ihre Muskeln ventral (Bauchseite) ansetzen und sich dann nach dorsal (Rücken) ziehen. Beim Kontrahieren und Entspannen der Muskeln, wird der gesamte Mesothorax (mittlerer Körperabschnitt) abgeflacht und wieder ausgedehnt. Dabei bewegen sich die Flügel mit. Das ist schon alles. Durch diese indirekten Muskelansätze können die Flügel nur in ihrer Gesamtheit angesprochen werden.
Bei Libellen ist es etwas anders. Hier setzen die Muskeln ebenfalls ventral an, ziehen dann aber dorsal jeweils zu einem Flügel. Diese Art von Muskulatur wird als
direkte Muskulatur bezeichnet. Die Libelle ist also befähigt jeden Flügel einzeln zu drehen, zu schwenken und unabhängig von allen anderen zu bewegen. Das ermöglicht ihr eine unglaubliche Genauigkeit bei ihren Kunstflügen. Das macht den Unterschied.


Egal, wie gut oder schlecht Insekten fliegen können, haben sie uns doch diese Eigentschaft voraus: sie können sich vom Erdboden lösen - ohne Hilfsmittel.




Literaturhinweise:
- Schwingkölbchen
Bildnachweis:
- http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/03/Sympetrum_flaveolum_-_side_%28aka%29.jpg
- http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/5/59/IMG_0406.jpg/800px-IMG_0406.jpg licenses

1 Kommentar:

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    Warm Regards

    Biby Cletus - Blog

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